Samstag, 4.12.2010 | 12:30-14 Uhr Workshop-Phase II
EMANZIPATION UND NATURBEHERRSCHUNG mit Dirk Lehmann
Die Erfahrung, die der kritischen Theorie Max Horkheimers und Theodor W. Adornos, vor allem der gemeinsam verfassten Dialektik der Aufklärung, zugrunde liegt ist, dass die Geschichte der Befreiung des Menschen von übermächtigen (Natur-)Gewalten nicht zu einem vernünftigen Zustand der Welt geführt hat. Indem die Menschen ihre Emanzipation ins Werk gesetzt haben, eine Unternehmung, die wesentlich darin bestand, sich zum Herren und Eigentümer der Natur zu machen, das heißt sie zu beherrschen, haben sie sich einer allein technisch-instrumentellen Rationalität ausgeliefert, so dass schließlich die „vollends aufgeklärte Welt… im Zeichen triumphalen Unheils“ strahlt.
Ich möchte in meinem Vortrag zunächst näher erläutern, was eigentlich unter diesem ‚schwierigen’ Begriff der Naturbeherrschung, der in der Dialektik im Zentrum steht, zu verstehen ist. Hierzu scheint mir ein Rückgriff auf die Verdinglichungskritik Georg Lukács’ hilfreich, auch weil damit deutlicher wird, warum die spezifische Art und Weise der Aneignung des Natürlichen im modernen Kapitalismus zum Problem wird. Überdies werde ich die Entstehung und Entwicklung des herrschaftlichen Umgangs mit Natur im Sinne der Dialektik der Aufklärung nachzeichnen – mitsamt den Konsequenzen sowohl für die Erde wie auch den Menschen. Schließlich möchte ich die ‚Utopie’ einer vernünftigen Einrichtung der Welt im Lichte der kritischen Theorie über die Naturbeherrschung reflektieren.